Im August 2003 kam ich, frisch nach dem 3. Staatsexamen, zu approtime.

Mich reizte der Gedanke, erst mal „langsam" anzufangen und mir von Land, Leuten und Apotheken ein Bild zu machen. Geplant hatte ich 6-8 Monate bei approtime. Daraus wurden im Endeffekt mit Unterbrechung fast 3 Jahre- und die Überzeugung, dass ich keine bessere Entscheidung hätte treffen können.
Von den knapp 50 verschiedenen Apotheken, in denen ich gearbeitet habe, sind mir nur 2 in schlechter Erinnerung geblieben. In den allermeisten habe ich mich wirklich wohl gefühlt. Einige Vertretungen werden mir wohl besonders im Gedächtnis bleiben.


Zu einem Einsatz wurde ich an die tschechische Grenze geschickt. Schon die Fahrt war abenteuerlich, denn die Straße wurde immer enger, der Wald dafür umso dichter. Letztlich endete ich in einem 500-Seelen Ort. Die Apotheke war schnell gefunden (Kunststück, bei nur 5 Straßen). Jetzt wollte ich wie vereinbart den Apotheker anrufen, hatte aber keinen Handyempfang.... Na denn - fragt man halt! Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte, war die Tatsache, dass ich von den netten Erklärungen kein Wort verstehen würde. Übelster Dialekt!!! Ich muss wohl so hilflos ausgesehen haben, dass mein Gegenüber mich schließlich bei der Hand nahm und mich persönlich beim Apotheker abgegeben hat...
Nicht nur, dass ich 2 Wochen in einem Ort verbringen sollte, in dem ich niemanden verstehe, wo es keine Videothek gibt, der Fernsehempfang wetterabhängig schlecht bis nonexistent ist, die nächst größere Stadt 30 km entfernt ist und ich noch dazu verdammt noch mal mein Buch vergessen hatte, ich musste hier auch noch arbeiten! Am nächsten Morgen kam ich trotzdem gutgelaunt in die Apotheke, gleichzeitig mit dem ersten Kunden. Das war ein älterer Mann, der mich zunächst für fast eine Minute wortlos musterte, bevor er dann doch entschied, mir eine Chance zu geben. Leider stellte sich die ablehnende Zurückhaltung als begründet heraus, denn als wir uns nach etwa 10 Minuten darauf geeinigt hatten, dass er grüne Tropfen zur Entwesung seines Federviehs sucht, konnte ich ihm nur noch das Angebot machen, mal beim Großhandel zu recherchieren. Kurz darauf traf dann endlich eine Apothekenmitarbeiterin ein, um mich zu unterstützen - ich war nahe daran, zu verzweifeln. Aber sie war super - und sprach Hochdeutsch. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und uns die Kunden aufgeteilt. Während sie die „Einheimischen" bedient hat, habe ich mich um die Urlauber gekümmert. Es wurde eine der schönsten Vertretungen überhaupt.
Die meisten Einsätze liefen absolut problemlos. Zwar sind die Abläufe in jeder Apotheke anders, aber man kann sich schnell einfinden, da im Grunde immer dasselbe abgefordert wird und es funktionell mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede gibt. Das gleiche gilt für die Computersysteme. Auch wenn die Benutzeroberfläche jedes Mal anders aussieht, sind die Handlungen- zumindest für das Kassensystem- prinzipiell gleich: Bediener eingeben, Verkaufsart wählen, Kundenkarte? Und los.
Was die Auswahl der Arzneimittel angeht, hat es sich bei mir bewährt, am Anfang direkt in den Schubladen zu suchen. Die allermeisten Apos waren gut auf das Verschreibeverhalten der ansässigen Ärzte eingestellt und hatten die geforderten Packungen vorrätig, dagegen habe ich aber häufiger Überraschungen mit der EDV-Bestandführung erlebt.
Natürlich ist man trotz allem immer auf Hilfe angewiesen, z.B. in Apotheken ohne Generalalphabet. (Ich hatte mal eine mit mindestens 25 verschiedenen Alphabeten; für Groß- Mittel- und Kleinpackungen, Antibiotika, Schmerzmittel (aber nicht alle) Tropfen, Säften, Salben, Pillen, Inhalatoren, ...) Mit Ruhe und Humor lassen sich meiner Erfahrung nach aber fast alle Situationen meistern.
Letztlich hatte ich auch immer ein Team, das den Laden am Laufen hielt, und auf das ich mich verlassen konnte. Ich selbst hab mich in der Regel in die Offizin gestellt und mich dort um Handverkauf und Rezeptbelieferung gekümmert. Von da aus habe ich dann geschaut, wo ich mich sonst noch nützlich machen kann.
Was die Zeit außerhalb der Apotheke betrifft, bin ich häufig abends mit einem Mitarbeiter ausgegangen; zum Abendessen, Schwimmen oder einfach nur auf ein Bierchen. Falls sich keiner fand, hatte ich meistens ein Buch oder meinen Laptop und eine Auswahl DVD's dabei.
Ansonsten gehörten zu meiner Grundausrüstung vor allem Küchenutensilien. Da ich mir gerne selber etwas zu essen mache, die Kochmöglichkeiten aber sehr variieren, hatte ich immer eine Kiste mit Sandwich-Toaster, diversen Gewürzen, Essig & Öl, Spüli und einen Topf mitgenommen- und ein Bügeleisen, das in der allergrößten Not auch als Kochplatte fungieren kann (so weit kam es aber nie).
Wenn irgendwo Probleme auftauchten, sei es im Apothekenbetrieb oder bei der Unterkunft, konnte ich mich jederzeit an Gerlachs wenden, die sämtliche Ungereimtheiten in meinem Sinne regeln konnten. Überhaupt möchte ich an dieser Stelle Herrn Gerlach und Frau Gerlach-Braun herzlich für die offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit danken.
Im April 2005 bin ich für 6 Monate nach Indien gegangen, um in Kalkutta Entwicklungshilfe zu leisten. Auch für diese Abwesenheit während der „Hauptsaison" hatte ich Gerlachs volle Unterstützung.
Grundsätzlich kann ich sagen, dass die Arbeit bei approtime mich in vielerlei Hinsicht weitergebracht hat. Persönlich und fachlich. Ich hab in sehr kurzer Zeit sehr viel gelernt, viele, viele interessante Erfahrungen gemacht, nette Bekannte und neue Freunde gefunden.
Sicherlich ist es manchmal hart, wochenlang aus dem Koffer zu leben, zeitweise nur noch zum Waschen nach Hause zu kommen und private Kontakte überwiegend telefonisch zu pflegen (ein Handyvertrag mit guter Netzabdeckung ist elementar!!), aber dafür (er)lebt man die freien Wochen umso intensiver.
Und dann gibt es natürlich auch die Momente, in denen man sich verflucht, diesen Job angenommen zu haben, vor allem dann, wenn morgens die Dusche kalt ist, weil keiner gesagt hat, dass der Boiler angemacht werden muss, oder weil das Heizöl alle ist, wenn man an seinem Geburtstag irgendwo im Nirgendwo sitzt und den Kuchen mit dem Kuscheltier teilt, oder wenn man mal wieder die Party der besten Freundin versäumt... Solche Gedanken kommen einem aber, wenn auch aus anderen Gründen, sicherlich im jedem Beruf.
Rückblickend kann ich die Zeit absolut positiv bewerten. Ich habe weitaus mehr bekommen, als ich entbehren musste.
B.R.