Mein Leben mit approtime

Nach einem halben Jahr Abstand versuche ich einmal, meine zweieinhalb Jahre approtime Revue passieren zu lassen. Zunächst einmal, wäre bei mir die Zeit nicht so knapp, die Dissertation zu Ende zu schreiben und die Apotheke meiner Eltern zu übernehmen, wäre ich ziemlich sicher noch ein „Approtimer".


Ich habe nachgerecht: für Approtime war ich in 17 Apotheken in 8 Bundesländern tätig. Ich beginne mit meiner ersten Apotheke im Norden. Das war ein Sprung ins kalte Wasser, da dies in meiner ganzen Zeit die einzige Apotheke war, in der ich die richtige Chefverantwortung tragen musste. Jeden Abend Geld aus drei Kassen zählen, ein Computer-System, das ich nicht kannte, eine neue Mitarbeiterin, die damit ebenso nicht so gut zurecht kam und fast nur Privatpatienten. Dort habe ich gelernt, dass Hotel zwar toll ist, um sich abends anrufen zu lassen, und man Frühstück bekommt. Dass man sich nichts zu essen machen kann, weil man keine Küche hat und ständig essen gehen muss, wurde mir schnell klar.
Nach zwei Wochen bei approtime hatte ich bereits gelernt, dass man nach neun Stunden Handverkauf müde ist und sich mit ziemlicher Garantie beim Kasse machen verzählt, dass wenn man wie ich mit meiner ersten Krankenhaus-Entlassverordnung, auf der überhaupt gar nichts stimmte, überfordert ist, einfach Herrn Gerlach anruft und schon ist die Welt in Ordnung und ich hatte mein erstes Job-Angebot, die neu zu gründende Filiale zu leiten. Danach kam das krasse Gegenstück: Thüringen, Dorf, ehemaliges Sperrgebiet. Immerhin sechs Wochen war ich da und nach einer Zeit rundum zufrieden. Erste Sprachprobleme: Was ist Oak? Was ist Hartleib? Was sind „Spalt, aber die von uns!" Schön war: es gab jeden Tag als erste Amtshandlung Frühstück für alle...
Der nächste Schock: Bayern, richtig Dorf! Man fährt noch mit dem Trecker vor. Huch, das soll eine Apotheke sein? Ohne Computer auf dem HV-Tisch? Und es gibt Zwei Alphabete: eines für Tabletten, eines für halbfestes und flüssiges, na prima... aber bitteschön: Hühneraugen extra, Pille extra.... man erlebt schon was. Entschädigt wurde ich durch einen Traum von privatem Wohnbereich: tolle Küche, Balkon ins Grüne, Joggen gleich um die Ecke.
Dann kam meine Lieblingsapotheke in Hessen. Das Privathaus prima, Blumen gießen kein Problem. Ich glaube, insgesamt habe ich vier Einsätze dort gehabt, und ein prima Team. Was habe ich hier Neues gelernt? Hautarztpraxis! Ich hasse Rezepturen! Aber ich musste auch keine machen! Qualitätsmanagement gelebt, von allen mitgezogen, so gut organisiert habe ich das nicht wieder gesehen. Es gibt noch so viel zu erzählen...
Danach kam für mich ein Dorf in Franken, wo mich ein Jahr später eine Stammkunde begrüßte: Ach der Mann, der hochdeutsch spricht und kein Fränkisch versteht! (Zugegebenermaßen bin ich der Meinung, sehr viel verstanden zu haben.) In der Oberpfalz war die Sprache definitiv am heftigsten! Im Ruhrgebiet in einer Fußgängerzone durfte ich erleben, wie es ist, wenn eine Apotheke hauptsächlich von den Pflegeheimen lebt, die sie beliefert.
Schön war es im Siegerland, gutes Team, drei Wochen im Hotel mit Swimmingpool... In der Nähe der holländischen Grenze durfte ich am Abend des WM-Finales anreisen, leider war die Apotheke zwischen einer italienischen Eisdiele und einer italienischen Pizzeria. Danach war ich in einer Centerapotheke, seitdem weiß ich, dass nach 12 Stunden arbeiten die Beine schwer sind...
In Mecklenburg-Vorpommern habe ich gelernt, was Personalmangel heißt (unter anderem wieder ein Angebot für eine Festanstellung).
Ich könnte noch sehr lange schreiben. Jede Apotheke hat ihre Eigenheiten und man bekommt schnell ein Gespür, wo diese Eigenheiten wahrscheinlich liegen und an diesen Stellen fragt man am besten im Team nach. Und eigentlich lernt man in jeder Apotheke irgendetwas Neues, manchmal auch nur ein paar neue Handelsnamen.
Mir hat die Tätigkeit viel Spaß gemacht! Die Wochenenden im Sommer waren nur immer sehr kurz. Im Nachhinein betrachtet sollte man immer eine Notration zu Essen bei sich haben und möglichst einen guten Handytarif. (Nicht überall, wo es eine Apotheke gibt, gibt es auch einen Bäcker und man kann sich nicht überall auf dem Festnetz zurückrufen lassen. . .)


C.S.